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10 Punkte Plan »Bienen retten – alle anderen Insekten und die Welt gleich mit.

Bienen retten - immer noch! 10 Punkte-Plan gegen das Insektensterben

Bienensterben war gestern.
Heute geht’s ums Ganze.
Bee Revolution!

Die guten Nachrichten zuerst: Seit eini­gen Jahren steigt in Deutschland die Anzahl der Bienenvölker und Imker wie­der, beson­ders in den Städten beginnt eine neue Generation der Hobbyimker mit der Bienenhaltung, mit gro­ßem Interesse an Natürlichkeit und Ökologie.

Auf dem Land aller­dings, genau dort, wo die Bestäubung der Bienen am wich­tigs­ten ist, wer­den die Aussichten immer düs­te­rer – kein Imker will sei­ne Völker neben Monokulturen stel­len, auf denen hoch­toxi­sche „Pflanzenschutzmittel“ aus­ge­bracht wer­den. Die Bedingungen für Honigbienen wer­den immer schlech­ter, sie wer­den ver­gif­tet und fin­den nach der Rapsblüte kaum noch Nahrung. Und auch die Art und Weise der Bienenhaltung trägt zum Konflikt bei: Künstliche Bienenzüchtung schwächt Bienenvölker und macht sie für die Varroamilbe angreif­ba­rer. Wenn es die­sen betreu­ten wil­den Nutztieren immer schlech­ter geht – was machen die Wildbienen und Insekten ohne Lobby?

Wissenschaftliche Studien bele­gen den Rückgang von mehr als 75 Prozent der gesam­ten Biomasse flug­ak­ti­ver Insekten in geschütz­ten Gebieten wäh­rend 27 Jahren!*1 Wildbienen und ande­ren Insekten ver­schwin­den. Dem Schwund der Insekten folgt ein Weniger an Vögeln, ein Weniger an Kleintieren usw… (sie­he Infografik) Aktuell fin­det ein Ökozid durch die Praktiken der Industriellen Land­wirtschaft statt, wel­che der wich­tigs­te Faktor für das Artensterben in Europa, aber auch welt­weit ist. Deren Dynamik: bei schnel­len Erntegewinnen wird auf kur­ze Sicht gefah­ren. Die lang­fris­ti­gen Konsequenzen wer­den immer wie­der aus­ge­blen­det und klein­ge­re­det. Weltweit ist von Insektensterben die Rede. Höchste Zeit zum Umdenken und Handeln. Es braucht Entscheidungen in Politik und Unternehmen und um die Kräfte zu bün­deln: Jeder Einzelne kann die­se Veränderungen ein­lei­ten und unterstützen.

Damit wir auch in Zukunft ein Summen und Zwitschern hören – Zeit für noch mehr Öko, Bio und Permakultur!

Am Ende ent­schei­den wir als Gesellschaft, in wel­cher Welt wir leben wol­len: In einer aus­ge­räum­ten Landschaft oder in einem bun­ten, leben­di­gen Ökosystem.

Hier ein paar Ideen für die Vielfalt — im Alltag und zu besonderen Anlässen.

WAS KANN ICH SELBST GEGEN DAS INSEKTENSTERBEN TUN?

1 — WÄHLE HONIG AUS DEINER REGION.

In Deutschland wird viel Honig ver­zehrt, pro Kopf 1kg jähr­lich. Für unse­ren Honigkonsum stammt fast 80% aus Importen. Honige aus dem Supermarkt sind häu­fig Mischungen mit Honigen aus Nicht-EU-Ländern, die meis­ten davon kom­men aus Südamerika – u.a. aus Ländern, in denen gen­tech­nisch ver­än­der­te Pflanzen ange­baut wer­den, wo Bienen mit Medikamenten und Antibiotika behan­delt wer­den und der Einsatz von Pestiziden erlaubt ist. Neben der Umweltbelastung durch die lan­gen Transportwege kön­nen auch Bienenkrankheiten nach Deutschland ein­ge­schleppt werden.
Es ist daher sinn­voll, Honig aus Deiner Region direkt vom Imker zu bevor­zu­gen, z.B. zer­ti­fi­zier­ter Honig in DIB Gläsern (Deutscher Imker Bund), im Idealfall aus bio­lo­gi­scher und wesens­ge­mä­ßer Bienenhaltung. Demeter hat auch bei der Bienenhaltung die strengs­ten Richtlinien, die den Bedürfnissen der Bienen am wei­tes­ten ent­ge­gen kommen.
Weitere Informationen hier im Artikel von BieneMenschNatur “Alles Bio-Honig oder was?

2 — KAUFE BIO-LEBENSMITTEL.

Kaufe mehr Bio, esse weni­ger Fleisch. Insekten füh­len sich auf Biohöfen woh­ler, als auf den Äckern der “kon­ven­tio­nel­len Bauern”. Denn dort wer­den Insekten, Pilze und Unkräuter mit der Giftspritze ver­folgt. Biohöfe sind im Vergleich dazu wah­re Paradiese für Honigbienen, Wildbienen und alle ande­ren Insekten. Jeder Einkauf ist wie ein Gang zur Wahlurne — Wir haben die Wahl und neh­men unser Recht und die Verantwortung als Bürger wahr: Saisonale Lebensmittel aus regio­na­ler öko­lo­gi­scher Landwirtschaft sind bes­ser, da u.a. auf bie­nen­schäd­li­che Pestizide und Neonikotinoide ver­zich­tet wird, und ohne Transport Energie und Abgase redu­ziert wer­den. (bevor­zugt von den stren­ge­ren Zertifizierern wie Demeter, Bioland, Naturland, Gäa). Bauernmärkte, Hofläden und ande­re direk­te Vermarktungsmöglichkeiten nut­zen, den Kontakt zu den Erzeugern suchen und sich über die Herstellung infor­mie­ren. Qualität, Tierwohl und Fairness sind ihren Preis wert. Die Mehrkosten kön­nen durch weni­ger Fleisch, Fertigprodukte und Zuckerwaren wett­ge­macht werden.

Milchprodukte und Käse aus Heumilch kaufen.

Heu- und Weidemilch kommt von Kühen, für deren Ernährung arten­rei­che Wiesen ste­hen­ge­las­sen wer­den – die Insekten drin­gend brau­chen. Konventionelle Milch kommt von Kühen, die über­wie­gend mit Silage gefüt­tert wer­den. Wo frü­her noch bun­te Blumenwiesen wach­sen konn­ten, weil die Wiesen bewei­det wur­den oder nur Grünschnitt und ein zwei­ma­li­ger Heuschnitt erfolg­ten, wer­den Weiden heu­te bis zu 10 mal nach­ein­an­der gemäht, weil das Gras kurz vor der Blüte am eiweiß­reichs­ten ist. Die Folge ist, dass für Insekten und Bienen kei­ne Blüten mehr zur Verfügung ste­hen. Heumilch ist zudem gesün­der, hat im Vergleich zur Silomilch viel weni­ger Keime und etwa die dop­pel­te Menge an Omega‑3 Fettsäuren.

Bio-Mehl & Bio-Bier kaufen.

Für deren Produktion wur­den kei­ne Pestizide ver­wen­det. Konventionell bewirt­schaf­te­te Getreideäcker wer­den sehr häu­fig kurz vor der Ernte mit Glyphosat abge­spritzt, um das Korn tech­nisch in kur­zer Zeit tro­cken und damit ‚reif’ wer­den zu las­sen. Bienen beflie­gen sol­che Flächen wei­ter, bis die Blüten von Kornblumen abge­stor­ben sind und tra­gen so Glyphosat in die Stöcke.

3 — FRAGEN, FRAGEN, FRAGEN.

Sich für eine öko­lo­gi­sche und nach­hal­ti­ge Landwirtschaft ein­zu­set­zen, beginnt schon bei den ers­ten Fragen am Tresen oder Marktstand, wo das Essen her­kommt. Frage Bauern, Politiker und Imker, in Supermärkten oder in der Gastronomie. Erkundige Dich nach Qualität, Herstellung und Verarbeitung der Lebensmittel und mach klar, dass Dir viel an einer öko­lo­gi­schen und ethisch ver­tret­ba­ren Tierhaltung und nach­hal­ti­gen Lebensmittelproduktion liegt. Du kannst in der ört­li­chen Mensa, Kantine und in der Gastronomie dar­auf hin­wir­ken, dass ver­mehrt regio­na­le und öko­lo­gisch pro­du­zier­te Lebensmittel ver­wen­det werden.

4 — VERZICHTE AUF INSEKTIZIDE IN HAUS UND GARTEN.

Unterlasse den Einsatz von bie­nen­schäd­li­chen Pflanzenschutz‑, Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmitteln, also Insektizide, Fungizide und Herbizide in Deinem Haus und Garten, auch wenn die­se als „bie­nen­un­ge­fähr­lich“ gekenn­zeich­net sind. Wie z.B. Glyphosat — das meist­ver­kauf­te Pflanzengift der Welt — beein­träch­tigt das Orientierungsverhalten der Bienen und führt zu Brutschäden. Zudem bestehen bei Menschen und Tieren Zusammenhänge zwi­schen Glyphosat und Fehlbildungen/-gebur­ten und nicht zuletzt hat Glyphosat hohe nega­ti­ve Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Bodenleben.*2
Manche Geschäfte ver­kau­fen noch die­se Produkte, bei wel­chen Verzicht und Boykott emp­foh­len ist: Roundup von Monsanto (Wirkstoff: Glyphosat — Totalherbizid), Calypso und Lizetan von Bayer (Wirkstoff: Thiacloprid aus der Klasse der Neonikotinoide), Careo Schädlingsfrei von Celaflor (Acetamiprid aus der Klasse der Neonikotinoide), Bi 58 von COMPO (Wirkstoff: Dimethoat).
Es gibt genü­gend natür­li­che Alternativen, die gut wir­ken. Zum Beispiel der Einsatz von „Nützlingen“, was vie­le ande­re Insekten schont. Praktische Tipps unter www.bio-gaertner.de

 

5 — VERMEHRE INSEKTENFREUNDLICHE PFLANZEN.

Schaffe Oasen für Wild- und Honigbienen, Schmetterlinge und Hummeln indem du bie­nen­freund­li­che Pflanzen im Balkonkasten ansie­delst, Obstbäume im Garten oder wild­wach­sen­de Pflanzen bestehen lässt. Eine Wildblumenwiese statt eng­li­schem Rasen, der Straßenbaum vor Deinem Fenster, der blü­hen­de Mittelstreifen in dei­ner Straße, Pflanzen mit unge­füll­ten, statt gefüll­ten Blüten — lie­ber Astern, und Phacelia (Bienenfreund) statt Geranien. Welche Pflanzen Bienenweiden sind, fin­dest du zum Beispiel hier auf unse­rer Website in der Rubrik Blühendes Berlin oder vie­le Tipps bei die­ser Initiative: www.bluehende-landschaft.de

6 — BIETE NISTMÖGLICHKEITEN FÜR INSEKTEN.

Beinahe jede zehn­te Wildbienenart ist vom Aussterben bedroht. 300 der hei­mi­schen 560 Wildbienenarten ste­hen auf der „Roten Liste”. Mit ganz ein­fa­chen Mitteln kannst Du Nistmöglichkeiten für Wildbienen bau­en und die­se ansie­deln. Viele fer­tig zu kau­fen­de Insektenhotels sehen eher schick aus, als dass sie wirk­lich attrak­tiv für die Besiedlung wären — es lohnt sich, vor­her die Grundlagen zu lesen, zum Beispiel hier: www.wildbienen.info

 

7 — WERDE IMKER.

Wenn Du mehr über Bienen erfah­ren möch­test und mit dem Gedanken spielst, selbst Bienen zu hal­ten, wäre der Zeitpunkt gekom­men, einen Imkerkurs zu machen. Erstes Kennenlernen, was es alles dafür braucht, ob Baumstamm oder Holzkiste, Standort in der Stadt oder auf dem Land… Auf das Wohl sei­ner Völker zu ach­ten wirkt sich auto­ma­tisch auf die Natürlichkeit der Umgebung aus und trägt zu einem leben­di­gen Ökosystem bei.
Imkerkurse fin­dest du hier bei uns bei Mellifera Berlin, deutsch­land­weit im Mellifera Verbund oder bei Imkervereinen in dei­ner Nähe.

8 — WERDE BIENENPATE.

Mit einer Bienen-Patenschaft unter­stützt du die imker­li­che und die agrar- und bil­dungs­po­li­ti­sche Arbeit von Mellifera. Entweder für dich selbst, als Geschenk oder für dei­ne gan­ze Firma — du erhältst jähr­lich ein Glas Demeter Honig, wel­ches du auch ver­schi­cken las­sen kannst. Mehr Info unter  www.mellifera.de/beegood

9 — UNTERSCHREIBE PETITIONEN UND WERDE AKTIV.

Nehme Deine Verbraucher- und Bürgerrechte wahr, gebe dei­ne Stimme auf dem Wahlzettel und unter­schrei­be die Petitionen zum Thema.
Unterstütze Organisationen, die auf agrar­po­li­ti­scher und natur­schutz­po­li­ti­scher Ebene für die Lebensgrundlagen von Insekten und Bienen kämp­fen. Mellifera, Stiftung Aurelia — Es lebe die Biene (die Prozesse vor dem EUGH füh­ren), NABU, BUND, cam­pact, change.org, Umweltinstitut München, Umweltspäher und vie­le weitere.
Oder wel­che Aktion kann Deine Idee in die Welt set­zen? Oben genann­te Initiativen geben KnowHow und Hilfestellungen für Vorhaben. Sich für einen poli­ti­schen Wandel ein­set­zen, bei­spiels­wei­se durch die direk­te Ansprache loka­ler Politiker oder Bundestagsabgeordneter. (wie hier z.B. zur BUND Initiative “Pestizidfreie Kommune”)
Oder durch Teilnahme an Protestveranstaltungen — wie der jähr­lich in Berlin statt­fin­den­den Demo „Wir haben es satt!“. Nächster Termin im Januar 2019, hier die Aktion von Januar 2018 — Wir waren dabei: mehr Info

10 — UNTERSTÜTZE UNSER PROJEKT.

Mellifera e.V. enga­giert sich seit über 30 Jahren für die wesens­ge­mä­ße Bienenhaltung und den Schutz der Bienen. Dies ist nur mög­lich Dank der vie­len gro­ßen und klei­nen Spenden. Die Mellifera Regionalgruppe Berlin ist ein selbst­fi­nan­zier­ter und selbst­or­ga­ni­sier­ter Verbund, der Initiativen für Biene, Mensch und Natur gestal­tet. In Workshops, Veranstaltungen und Projekten enga­gie­ren wir uns für wesens­ge­mä­ße, öko­lo­gi­sche Bienenhaltung und einen nach­hal­ti­gen Umgang mit der Umwelt.

Unterstütze unse­re Arbeit mit einer Spende!

Du bist will­kom­men zu unse­ren Veranstaltungen, Imkerkursen und Regionalgruppentreffen in Berlin. Hier wei­te­re Kontaktmöglichkeiten.

www.mellifera.de
Mellifera auf Facebook: www.facebook.com/mellifera.de
www.aurelia-stiftung.de

Text: Silke Meyer und Rainer Kaufmann, Mellifera Regionalgruppe Berlin
Illustration: Silke Meyer, sal­zund­ho­nig

WEITERLESEN:

Rettet die Bienen, aber nicht so! — Die EU ver­bie­tet Neonikotinoide – zum Schutz der Bienen. Damit bewegt sie sich zwar in die rich­ti­ge Richtung, die größ­te Bedrohung sind aber nicht die Pestizide.” (DIE ZEIT, Gunther Willinger)

QUELLEN:

1) Wissenschaftliche Langzeitstudie, durch­ge­führt an über 60 Standorten in Deutschlands, alle­samt Naturschutzgebiete: PLOS ONEHallmann CA, Sorg M, Jongejans E, et al. 2017, & Entymologischen Verein Krefeld, Studie 1989–2016, (en)
http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0185809
Auswertung die­ser Studie in einem Artikel des NABU (dt): www.nabu.de/news/2017/10/23291.html

2) Albert Schweitzer Stiftung: “Glyphosat: Auswirkungen auf die Natur”
https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/glyphosat-auswirkungen

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