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10 Punkte Plan »Bienen retten – alle anderen Insekten und die Welt gleich mit.«

Bienen retten - immer noch! Instektensternem

Bienensterben war gestern.
Heute geht’s ums Ganze.
Bee Revolution!

Die guten Nachrichten zuerst: Seit ein paar Jahren steigt in Deutschland die Anzahl der Bienenvölker und Imker wieder, vor allem in den Städten werden diese von einer neuen Generation Hobbyimker gehalten.

Auf dem Land allerdings, genau dort, wo die Bestäubung der Bienen am wichtigsten ist, werden die Aussichten immer düsterer – kein Imker will seine Völker neben Monokulturen stellen, auf denen hochtoxische „Pflanzenschutzmittel“ ausgebracht werden. Die Bedingungen für Honigbienen werden immer schlechter, siesie werden vergiftet und finden nach der Rapsblüte kaum noch Nahrung. Wenn es diesen betreuten wilden Nutztieren immer schlechter geht – was machen die Wildbienen und Insekten ohne Lobby?

Alarmierende Zahlen aus Deutschland bestätigen einen Rückgang von 75% der Insektenpopulation in den letzten 28 Jahren!*1 Wildbienen und alle andere Insekten verschwinden. Dem Schwund der Insekten folgen weniger Vögel, weniger Kleintiere… Aktuell findet ein Ökozid durch die Praktiken der industriellen Land­wirtschaft statt.

Bevor wir gar kein Summen und Zwitschern mehr hören – Zeit für noch mehr Öko, Bio und Permakultur!

Am Ende entscheiden wir als Gesellschaft, in welcher Welt wir leben wollen. In einer ausgeräumten Landschaft, oder in einem bunten, lebendigen Mosaik.

Hier ein paar Ideen für die Vielfalt – im Alltag und zu besonderen Anlässen:

1 – WÄHLE HONIG AUS DEINER REGION.

In Deutschland wird viel Honig verzehrt, pro Kopf 1kg jährlich. Für unseren Honigkonsum stammt fast 80% aus Importen. Honige aus dem Supermarkt sind häufig Mischungen mit Honigen aus Nicht-EU-Ländern, die meisten davon kommen aus Südamerika – wo Gentechnik-Pflanzen im großen Stil angebaut werden, deren Pollen dann in den Honig geraten. Wo eine chemische Behandlungen der Bienen und großflächiger Pestizideinsatz erlaubt und praktiziert wird. Neben der Umweltbelastung durch die langen Transportwege können auch Bienenkrankheiten nach Deutschland eingeschleppt werden. (siehe Punkt 5)
Es ist daher sinnvoll, Honig aus Deiner Region direkt vom Imker zu bevorzugen. Im Idealfall aus biologischer und wesensgemäßer Bienenhaltung. Demeter hat auch bei der Bienenhaltung die strengsten Richtlinien, die den Bedürfnissen der Bienen am weitesten entgegen kommen.

2 – BIO-LEBENSMITTEL KAUFEN.

Saisonale Lebensmittel aus regionaler ökologischer Landwirtschaft sind besser, da u.a. auf bienenschädliche Pestizide und Neonikotinoide verzichtet wird (bevorzugt von den strengeren Zertifizierern wie Demeter, Bioland, Naturland, Gäa). Bauernmärkte, Hofläden und andere direkte Vermarktungsmöglichkeiten nutzen, den Kontakt zu den Erzeugern suchen und sich über die Herstellung informieren. Qualität und Fairness sind ihren Preis wert – die Mehrkosten können durch weniger Fleisch, Fertigprodukte und Zuckerwaren wettgemacht werden.

Milchprodukte und Käse aus Heumilch kaufen.

Heumilch kommt von Kühen, für deren Ernährung artenreiche Wiesen stehengelassen werden. Konventionelle Milch kommt von Kühen, die überwiegend mit Silage gefüttert werden. Wo früher noch bunte Blumenwiesen wachsen konnten, weil die Wiesen beweidet wurden oder nur Grünschnitt und ein zweimaliger Heuschnitt erfolgten, werden Weiden heute bis zu 10 mal nacheinander gemäht, weil das Gras kurz vor der Blüte am eiweißreichsten ist. Die Folge ist, dass für Insekten und Bienen keine Blüten mehr zur Verfügung stehen. Heumilch ist zudem gesünder, hat im Vergleich zur Silomilch viel weniger Keime und etwa die doppelte Menge an Omega-3 Fettsäuren.

Bio-Mehl, Getreideprodukte, Brot & Bier kaufen.

Für deren Produktion wurden keine Pestizide verwendet. Konventionell bewirtschaftete Getreideäcker werden sehr häufig kurz vor der Ernte mit Glyphosat abgespritzt, um das Korn technisch in kurzer Zeit trocken und damit ‚reif’ werden zu lassen. Bienen befliegen solche Flächen weiter, bis die Blüten von Kornblumen abgestorben sind und tragen so Glyphosat in die Stöcke.

3 – VERZICHTE AUF INSEKTIZIDE IN HAUS UND GARTEN.

Auf bienenschädliche Pflanzenschutz-, Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmittel, also Pestizide und Herbizide, solltest Du in Deinem Haus und Garten verzichten. Speziell bei der Mischung mehrerer Insektizide sind Vergiftungen von Bienen nicht auszuschließen, auch wenn diese als „bienenungefährlich“ gekennzeichnet sind. Wie z.B. Glyphosat – das meistverkaufte Pflanzengift der Welt – beeinträchtigt das Orientierungsverhalten der Bienen und führt zu Brutschäden. Zudem bestehen bei Menschen und Tieren Zusammenhänge zwischen Glyphosat und Fehlbildungen/-geburten und nicht zuletzt hat Glyphosat hohe negative Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Bodenleben.*2
Manche Geschäfte verkaufen noch diese Produkte, bei welchen Boykott empfohlen ist: Roundup von Monsanto, Calypso und Lizetan von Bayer, Careo Schädlingsfrei von Celaflor, Bi 58 von COMPO.
Es gibt genügend natürliche Alternativen. Biogärtner haben für jedes Problem einen Tipp.

4 – SÄE BIENENFREUNDLICHE PFLANZEN.

Du kannst das Summen einladen indem du bienenfreundliche Pflanzen im Balkonkasten ansiedelst, Obstbäume im Garten oder wildwachsende Pflanzen sein lässt. Eine Wildblumenwiese statt englischem Rasen, der Straßenbaum vor Deinem Fenster, der blühende Mittelstreifen in deiner Straße, Pflanzen mit ungefüllten, statt gefüllte Blüten – lieber Astern statt Geranien. Das alles bietet ein vielfältiges Angebot für Honigbienen, Schmetterlinge, Hummeln und die vielen Wildbienen. Miteinander kombiniert bilden sich so Oasen für hungrige Bestäuber. Welche Pflanzen Bienenweiden sind, findest du zum Beispiel hier auf unserer Website in der Rubrik Blühendes Berlin oder viele Tips bei dieser Initiative: www.bluehende-landschaft.de

5 – BIENENKRANKHEITEN STOPPEN – HONIGGLÄSER IMMER AUSSPÜLEN.

Bienenkrankheiten wie die Amerikanische Faulbrut (AFB) werden bei uns meist über billige Importhonige eingeschleppt. Die auslösenden Endosporen werden u.a. durch Honigreste in Glascontainern verbreitet, da die Bienen darauf fliegen, schlecken und so die tödliche Krankheit in die heimischen Völker bringen. Jedes Jahr gibt es Faulbrut-Sperrbezirke in Stadt und Land, und die strengen deutschen Richtlinien verlangen bei Befall ein Töten der Völker statt medikamentöser Behandlung. Deshalb Honiggläser am besten spülen, bevor man diese in den Glascontainer wirft oder gleich beim Kauf auf Mehrweg und Regionalität achten.

6 – BIETE NISTMÖGLICHKEITEN FÜR WILDBIENEN.

Beinahe jede zehnte Wildbienenart ist vom Aussterben bedroht. 300 der heimischen 560 Wildbienenarten stehen auf der „Roten Liste”. Mit ganz einfachen Mitteln kann Du Nistmöglichkeiten für Wildbienen bauen und diese ansiedeln. Viele fertig zu kaufende Insektenhotels sehen eher schick aus, als dass sie wirklich attraktiv für die Besiedlung wären – es lohnt sich vorher die simplen Grundlagen der Bauweise zu studieren. Zum Beispiel hier: www.wildbienen.info

7 – WERDE BIENENPATE.

Mit einer Bienen-Patenschaft unterstützt du unsere Arbeit. Wir siedeln Honigbienen in der Stadt an und halten an unseren Standorten Bildungsarbeit ab. Als Bienen-Pate*in erhältst du jährlich von deinen Patenbienen ein Glas Honig mit deinem Namen. Dazu gibt es eine individuelle Patenurkunde. Weitere Info bald hier auf der Website, bis dahin bei Interesse unter Kontakt: regionalgruppe@mellifera-berlin.de

8 – FRAGEN, FRAGEN, FRAGEN:

Sich für eine ökologische und nachhaltige Landwirtschaft einzusetzen, beginnt schon bei den ersten Fragen am Tresen oder Marktstand, wo das Essen herkommt. Frage Bauern, Politiker und Imker, in Supermärkten oder in der Gastronomie. Erkundige Dich nach Qualität, Herstellung und Verarbeitung der Lebensmittel und mach klar, dass Dir viel an einer ökologisch und ethisch vertretbaren Tierhaltung und Lebensmittelproduktion liegt. In der örtlichen Mensa, Kantine und in der Gastronomie darauf hinwirken, dass vermehrt regionale und ökologisch produzierte Lebensmittel verwendet werden.

9 – PETITIONEN UNTERSCHREIBEN UND AKTIV WERDEN.

Sich für eine ökologische und nachhaltige Landwirtschaft einzusetzen, beginnt schon bei den ersten Fragen am Tresen oder Marktstand, wo das Essen herkommt. Nehmt Eure Verbraucher- und Bürgerrechte wahr, gebt eure Stimme auf dem Wahlzettel und unterschreibt die Petitionen zum Thema.
Unterstützt Organisationen, die auf agrarpolitischer und naturschutzpolitischer Ebene für die Lebensgrundlagen von Insekten und Bienen kämpfen. Mellifera, Stiftung Aurelia – Es lebe die Biene (die Prozesse vor dem EUGH führen), NABU, BUND, campact, change.org und weitere.
Oder welche Aktion kann deine Idee in die Welt setzen? Sich für einen politischen Wandel einsetzen, beispielsweise durch die direkte Ansprache lokaler Politiker oder Bundestagsabgeordneter oder durch Teilnahme an Protestveranstaltungen, wie der jährlich zur Grünen Woche in Berlin stattfindenden Demo „Wir haben es satt“. Nächster Termin ist übrigens am Samstag, 20. Januar 2018 – Wir sind dabei, Komm mit! Hier mehr Info

10 – UNTERSTÜTZE UNSER PROJEKT.

Mellifera e. V. engagiert sich seit 30 Jahren für eine wesensgemäße Bienenhaltung und den Schutz der Bienen. Dies können wir nur dank deiner Unterstützung. Die Mellifera Regionalgruppe Berlin ist ein selbstfinanzierter und selbstorganisierter Verbund, der Initiativen für Biene, Mensch und Natur gestaltet. In Workshops, Veranstaltungen und Projekten engagieren wir uns für wesensgemäße ökologische Bienenhaltung und einen nachhaltigen Umgang mit der Umwelt.

Unterstütze unsere Arbeit mit einer Spende!

Du bist willkommen zu unseren Veranstaltungen, Imkerkursen und Regionalgruppentreffen in Berlin. Hier weitere Kontaktmöglichkeiten.

www.mellifera.de
Mellifera auf facebook:
www.facebook.com/mellifera.de

www.aurelia-stiftung.de

Text: Silke Meyer und Rainer Kaufmann, Mellifera Regionalgruppe Berlin
Illustration: Silke Meyer, salzundhonig

QUELLEN:

1)  Entymologischen Verein Krefeld, Studie 1989-2016,
http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0185809

2) Albert Schweitzer Stiftung: “Glyphosat: Auswirkungen auf die Natur”
https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/glyphosat-auswirkungen

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